Auszahlungsquote WM Wetten: Bookmaker Payout & Marge erkennen

Fußball auf dem Elfmeterpunkt eines leeren Stadions im Abendlicht

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Warum zwei Nachkommastellen über Gewinn und Verlust entscheiden

Der erste Satz, den ich jedem neuen Wettfreund ins Ohr setze, lautet: Der Buchmacher zahlt dir nie 100 Prozent zurück. Die durchschnittliche Auszahlungsquote führender WM-Bookies liegt bei 94 bis 96 Prozent — der Rest ist die Marge, und sie entscheidet langfristig darüber, ob du auf schwarze Zahlen kommst oder nicht. Zwei Prozentpunkte klingen nach nichts. Über tausend Wetten hinweg sind es der Unterschied zwischen einem profitablen Jahr und einem verlorenen.

In diesem Text zeige ich dir, wie du Auszahlungsquoten bei WM-Wetten selbst berechnest, welche Zahlen realistisch sind und wo der Markt systematisch besser oder schlechter auszahlt. Keine Zaubertricks, keine Wunderformeln — nur die Rechnung, die jeder Buchmacher im Kopf hat, wenn er eine Quote stellt.

Eine ehrliche Vorwarnung: Dieser Artikel ist kein Mutmacher. Die Branche spielt mit mathematisch klaren Regeln, und die Regeln sind nicht auf Wetter-Gewinn ausgelegt. Aber wer die Mathematik versteht, kann sich innerhalb des Systems die besten verfügbaren Bedingungen aussuchen — und das ist bei einem Turnier wie der WM 2026 mit 104 Spielen, hunderten Nebenmärkten und Wochen der Vorbereitung eine echte Ressource.

Was die Auszahlungsquote wirklich bedeutet

Ich habe einmal einen erfahrenen Wetter gefragt, wie er die Auszahlungsquote definieren würde. Seine Antwort: „Das, was übrig bleibt, wenn der Bookie seinen Anteil genommen hat.“ Nicht ganz falsch, aber ungenau. Die präzise Definition: Die Auszahlungsquote ist der Prozentsatz der gesamten Einsätze eines Marktes, den der Buchmacher rein mathematisch wieder an die Wetter zurückzahlt, vorausgesetzt, die Quoten spiegeln die tatsächlichen Wahrscheinlichkeiten.

Beispiel: Bei einer Wette Team A gegen Team B mit je 50 Prozent tatsächlicher Siegwahrscheinlichkeit müsste eine faire Quote 2,00 für beide Seiten betragen. Stellt der Bookie stattdessen 1,92 für beide an, beträgt die Auszahlungsquote rund 96,15 Prozent — und die Marge entsprechend 3,85 Prozent. Die Formel: 1 geteilt durch 1,92 ergibt 0,5208. Mal zwei, weil zwei Ausgänge, ergibt 1,0417. Das bedeutet: Der Buchmacher hat die Wahrscheinlichkeiten auf 104,17 Prozent überrundet. Die Auszahlungsquote ist der Kehrwert: 1 geteilt durch 1,0417 ergibt 0,9600, also 96 Prozent.

Pinnacle weist bei Topspielen eine Auszahlungsquote von über 97 Prozent aus. Das ist der Goldstandard der Branche — und gleichzeitig der Grund, warum der Anbieter bei Profis als scharfer Markt gilt. Im Kontrast: Klassische Retail-Bookies kalkulieren bei Fußball-Spitzenspielen oft mit 92 bis 94 Prozent. Bei Sondermärkten wie Torschützenkönig sinkt der Wert weiter, teilweise auf 85 Prozent. Der Grund ist simpel: Je schwieriger der Markt zu modellieren, desto größer der Puffer, den der Buchmacher für sich einrechnet.

Ein Missverständnis räume ich gleich auf: Die Auszahlungsquote ist keine Garantie, dass du 96 Prozent deiner Einsätze zurückbekommst. Sie ist ein statistischer Mittelwert über alle Wetten eines Marktes hinweg. Du persönlich kannst trotzdem alles verlieren oder alles gewinnen — das entscheidet dein Wettglück. Die Auszahlungsquote sagt dir nur, wie das System strukturiert ist, in dem du spielst.

Ein zweites Missverständnis betrifft die Beziehung zwischen Auszahlungsquote und Gewinnwahrscheinlichkeit. Eine Quote von 2,00 gibt dir theoretisch 50 Prozent Siegchance. Wenn die Auszahlungsquote 96 Prozent beträgt, sinkt die faire Quote auf 1,92 — das heißt, der Buchmacher preist deine Gewinnchance nicht mit 50, sondern mit 52 Prozent ein. Zwei Prozentpunkte Unterschied, die aber über tausende Wetten hinweg das gesamte Ergebnis drehen. Wer diese Logik verstanden hat, liest Quoten anders. Jeder Preis ist ein Dreisatz aus wahrer Wahrscheinlichkeit, Markterwartung und Marge, und wer nur die mittlere Spalte liest, zahlt für die dritte mit.

Die Marge selbst berechnen und vergleichen

Ein Blick auf die offizielle Pinnacle-Kommunikation zeigt, wie bewusst Marge zum Geschäftsmodell gehört: Pinnacle bietet bewusst die niedrigsten Margen der Branche — ein Satz, den Paris Smith als frühere CEO des Anbieters immer wieder wiederholt hat. Was für Pinnacle ein Alleinstellungsmerkmal ist, ist für den Wetter ein Werkzeug zum Vergleich. Wer die Marge eines Bookies kennt, weiß, wie viel er für seine Wette bezahlt.

Die Grundformel für die Marge bei einem 2-Weg-Markt lautet: Marge = (1/Quote A + 1/Quote B) − 1, ausgedrückt in Prozent. Bei einem 3-Weg-Markt wie einem einzelnen WM-Spiel mit Heim, Unentschieden, Auswärts ergänzt sich das um den dritten Term: Marge = (1/Quote Heim + 1/Quote Unentschieden + 1/Quote Auswärts) − 1. Bei einer WM-Sieger-Wette mit 48 Teams addierst du alle 48 Kehrwerte und ziehst 1 ab.

Ein konkretes Beispiel aus der WM-Praxis: Spanien 5,0, England 6,5, Frankreich 7,0, plus die impliziten Kehrwerte der restlichen 45 Teams. Bei einer typischen WM-Sieger-Marge erreicht diese Summe 1,08 bis 1,12, also 8 bis 12 Prozent Überrundung. Die Bookmaker-Marge bei WM-Sieger-Wetten liegt im Schnitt bei 8 bis 12 Prozent — das ist branchenübliche Kalibrierung, keine Ausnahme.

Wichtig zu verstehen: Die Marge verteilt sich nicht gleichmäßig über alle Teams. Bei Topfavoriten wie Spanien ist sie oft niedriger (2 bis 4 Prozent auf das Einzelteam), weil hier das Volumen groß ist und der Buchmacher sich Wettbewerbsdruck aussetzt. Bei Longshots wie Aserbaidschan oder Neuseeland steigt die Marge auf 15 bis 20 Prozent oder mehr — hier sichert sich der Bookie gegen Einzelwetten ab, bei denen eine Überraschung ihn in Schieflage bringen könnte. Wer also auf einen Außenseiter wettet, zahlt relativ mehr Marge als wer auf einen Topfavoriten setzt. Das ist ein Grundsatz, der in der Wettdiskussion fast immer untergeht.

Mein Rat: Rechne für jeden Markt, den du bespielst, die Marge einmal selbst aus. Das dauert bei einem 3-Weg-Markt weniger als eine Minute und gibt dir sofort ein Gefühl dafür, welcher Anbieter fair spielt. Ein Taschenrechner auf dem Handy reicht. Wer sich diese Disziplin aneignet, schaut Quoten nie wieder naiv an — und erkennt sofort, wenn jemand einen Markt mit 7 Prozent Marge unterbietet oder mit 12 Prozent überteuert.

Zwei praktische Rechen-Tricks haben sich bei mir bewährt. Erstens: Bei 3-Weg-Märkten kannst du statt der exakten Marge eine Schnellprüfung machen. Multipliziere die drei Quoten miteinander und teile durch das Produkt, das sich bei fairer Verteilung ergäbe. Bei einer fairen Einschätzung von je einem Drittel wäre das Produkt 27 — liegt dein Produkt bei 25, spielt der Bookie teurer, liegt es bei 29, ist die Marge moderater. Zweitens: Bei 2-Weg-Märkten wie Über/Unter Tore gilt als Faustregel, dass die Summe der Kehrwerte unter 1,03 auf fairen Preis hindeutet. Alles darüber ist Retail-Marge. Alles unter 1,02 signalisiert scharfen Anbieter.

Ein Hinweis, den ich Anfängern mit auf den Weg gebe: Die Marge ist nie null, und sie ist nie das einzige Kriterium. Ein Bookie mit 3 Prozent Marge, der dich bei 50 Euro Einsatz limitiert, ist schlechter als einer mit 5 Prozent Marge, der dich mit 500 Euro spielen lässt. Auszahlungsquote ist nur der erste Blick — die zweite Dimension ist, ob du deine gewünschte Einsatzhöhe tatsächlich durchbringst.

Wie sich die Payout-Spanne zwischen Anbietern auffächert

Vor zwei Jahren habe ich an einem Sonntag die Quoten von neun Anbietern für dasselbe Champions-League-Halbfinale aufgeschrieben. Die Auszahlungsquote schwankte zwischen 92,1 und 97,3 Prozent. Das sind 5,2 Prozentpunkte Unterschied für exakt dasselbe Spiel, gleiche Uhrzeit, gleiche Mannschaften. Für einen Wetter, der 10 000 Euro pro Jahr umsetzt, bedeutet diese Differenz über 500 Euro pro Jahr — allein durch Anbieterwahl, ohne bessere Vorhersage.

Bei WM-Spielen ist die Spanne ähnlich. Die durchschnittliche Auszahlungsquote führender WM-Bookies liegt bei 94 bis 96 Prozent, aber innerhalb dieses Bandes gibt es zwei klar getrennte Gruppen. Erstens: scharfe Anbieter mit niedriger Marge und hohen Limits. Sie akzeptieren große Einsätze, schließen profitable Kunden aber in der Regel nicht. Pinnacle ist das bekannteste Beispiel, mit der genannten Quote von über 97 Prozent bei Topspielen. Zweitens: Retail-Bookies mit großem Marketing-Budget, Willkommensbonus und üppiger Benutzeroberfläche, aber höherer Marge und aggressiver Limitierung. Die Auszahlungsquote liegt dort typischerweise bei 92 bis 95 Prozent.

Welche Gruppe die richtige ist, hängt von deinem Profil ab. Wenn du 20 Euro pro Woche einsetzt und vor allem Spaß suchst, ist der Unterschied zwischen 94 und 97 Prozent finanziell kaum spürbar — aber der Bonus eines Retail-Bookies kann in diesem Szenario deutlich mehr wert sein. Wenn du mit 500 Euro pro Woche oder mehr ernsthaft wetten willst, ist der Payout-Unterschied in einer Saison größer als jeder Neukunden-Bonus.

Ein Tipp, den ich seit Jahren gebe: Öffne vor jedem größeren WM-Match die Quoten von drei bis vier Anbietern und setze beim besten verfügbaren Preis. Das nennt man Line Shopping, und es ist der einzige risikofreie Weg, deine Rendite zu verbessern. Der Aufwand ist minimal — zwei Minuten pro Wette. Der Effekt kumuliert über Monate zu einer messbaren Verbesserung. Wie das im Detail funktioniert, habe ich im Text über den WM-Quotenvergleich zwischen Bookmakern beschrieben.

Eine Einschränkung muss ich nennen: In Deutschland sind 32 Sportwettanbieter Anfang 2025 mit einer Whitelist-Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder ausgestattet. Nicht alle scharfen Anbieter weltweit bedienen den deutschen Markt, und bestimmte Konstellationen, die Profis international nutzen, sind hier aus regulatorischen Gründen nicht verfügbar. Wer in Deutschland wettet, arbeitet mit dem, was lizenziert ist — und das ist meistens die Retail-Kategorie. Der Rat zum Line Shopping gilt trotzdem, aber die maximal erreichbare Auszahlungsquote ist etwas niedriger als das internationale Optimum.

Wer Line Shopping konkret in den Alltag bauen will, kann so vorgehen: Drei lizenzierte Anbieter deiner Wahl als Lesezeichen im Browser, ein einheitliches Konto-Format für alle drei. Bei jeder ernst gemeinten Wette öffnest du alle drei Tabs nebeneinander und vergleichst die Quote für genau deinen Markt. Klingt trivial, wird aber von der überwältigenden Mehrheit der Wetter nicht gemacht — weil Bequemlichkeit den Verstand überstimmt. Die gleiche Mehrheit wundert sich am Jahresende, warum ihr Kontostand rückläufig ist.

Ein weiterer Punkt, den du bei der Anbieterwahl einrechnen musst: Bonusbedingungen verändern die faktische Auszahlungsquote. Ein Willkommensbonus mit 5-facher Umsatzbedingung bei Mindestquote 1,80 kostet dich etwa 2 bis 3 Prozent Rendite im Durchspielen — das heißt, die nominelle Auszahlungsquote des Anbieters wird während der Bonusphase künstlich gedrückt. Rechne den Bonus deshalb ehrlich durch, bevor du ihn als „Geschenk“ betrachtest. Oft ist der angenommene Bonus am Ende teurer als ein Konto bei einem schärferen Anbieter ohne Bonus.

Warum Langzeitwetten mit höherer Marge kalkuliert sind

Es gibt eine Regel, die fast niemand offen ausspricht: Je länger der Zeithorizont der Wette, desto höher die Marge. Bei einer Live-Wette auf das nächste Tor in den folgenden zehn Minuten rechnet der Bookie mit 3 bis 6 Prozent Marge. Bei der WM-Sieger-Wette, die Monate vor dem Turnier abgeschlossen wird, sind es 8 bis 12. Bei Exotik-Märkten wie „Weltmeister 2030“ oder „Torschützenkönig 2026“ können es 15 bis 25 Prozent sein.

Der Grund ist logisch: Je weiter die Wette in der Zukunft liegt, desto mehr Unsicherheit muss der Buchmacher einpreisen. Verletzungen, Trainerwechsel, Formkrisen — all das kann die Einschätzung komplett drehen, und der Bookie schützt sich mit einem Marge-Puffer. Für dich als Wetter heißt das: Langzeitwetten auf WM-Sieger sind selten die beste Quote, die du bekommen kannst. Sie sind bequem und narrativ reizvoll („ich hab Spanien seit Dezember auf 6,5 gespielt“), aber statistisch unterlegen.

Ich selbst spiele Langzeitwetten auf WM-Sieger nur in zwei Szenarien. Erstens: Wenn ich einen strukturellen Fehler im Markt sehe — etwa eine Mannschaft, deren Quote dem Faktor, den ich analytisch für entscheidend halte, nicht gerecht wird. Zweitens: als kleiner Unterhaltungs-Einsatz, der das Turnier über Wochen spannend macht. Für den zweiten Fall gilt: nie mehr als ein Prozent des Wettbudgets, und nie als Haupt-Strategie.

Das Gegenstück sind Spielquoten. Ein einzelnes WM-Vorrundenspiel zwischen zwei mittelmäßigen Teams wird vom Buchmacher mit niedriger Marge angeboten, weil die Konkurrenz groß ist und das Volumen fließt. Hier liegen die Auszahlungsquoten am höchsten, oft bei 96 bis 97 Prozent, bei scharfen Anbietern auch über 97. Wer seine Einsätze auf Spielquoten konzentriert und Langzeitwetten meidet, zahlt strukturell weniger Marge — und das ist ein Vorteil, den man über Jahre ansammelt.

Besondere Vorsicht bei Torschützenkönig-Wetten. Hier kalkulieren selbst scharfe Anbieter mit 15 bis 20 Prozent Marge, weil die Unsicherheit über Einsatzminuten, Verletzungen und Elfmeter-Statistiken enorm ist. Eine Mbappé-Quote von 4,5 auf Torschützenkönig klingt attraktiv, aber die implizite Wahrscheinlichkeit von 22,2 Prozent reduziert sich nach Marge auf etwa 18 Prozent — und das ist eine deutlich bescheidenere Erwartung.

Ähnlich gelagert sind Gruppensieger- und „Erreicht Halbfinale“-Wetten. Sie sind populär, weil sie thematisch reizvoll sind — du tippst einen Turnierverlauf, nicht nur ein Spiel. Aber die Buchmacher wissen, dass Wetter hier emotional greifen, und bauen die Marge entsprechend ein. Typisch sind 10 bis 14 Prozent bei Gruppensieger-Wetten, 12 bis 16 bei „Erreicht mindestens Viertelfinale“. Wer solche Märkte spielt, sollte wissen, dass er strukturell einen Aufschlag bezahlt gegenüber einfachen Spielquoten.

Die wirklich teuren Märkte sind Spezialwetten rund um einzelne Spieler. Erster Torschütze eines bestimmten Spiels, Assist-Quoten, Karten-Märkte für einzelne Akteure — hier liegen Margen von 20 bis 30 Prozent nicht selten. Für die meisten Wetter sind das Spaß-Wetten, keine Value-Wetten. Wer konsequent rentabel sein will, hält sich von diesen Märkten fern, auch wenn der einzelne Treffer euphorisch ist.

Value-Betting als praktische Anwendung

Wenn man mich fragt, was Value-Betting bedeutet, antworte ich mit einer Gegenfrage: Glaubst du, deine eigene Einschätzung der Wahrscheinlichkeit ist besser als die des Marktes? Wenn ja, hast du die Voraussetzung für Value. Wenn nein, bist du ein Kunde, kein Wetter.

Die Rechnung ist einfach. Du schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses auf 25 Prozent. Der Buchmacher bietet eine Quote von 5,0, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent entspricht. Differenz: 5 Prozentpunkte zu deinen Gunsten. Formal: (Quote mal Deine Wahrscheinlichkeit) − 1 = Erwartungswert. In diesem Fall: (5,0 mal 0,25) − 1 = 0,25, also 25 Prozent positiver Erwartungswert. Bei konsequenter Anwendung ist das theoretisch langfristig profitabel.

Theoretisch. In der Praxis stehen drei Hürden im Weg. Erstens: Deine Wahrscheinlichkeits-Einschätzung muss tatsächlich besser sein als die des Marktes. Der Markt ist keine Horde Amateure, sondern ein hochkalibrierter Preisbildungsmechanismus mit Millionen an Informationen. Wer glaubt, er schlägt ihn mit Bauchgefühl, verliert Geld. Zweitens: Die Varianz ist brutal. Selbst mit nachgewiesenem Value kann man zehn, fünfzehn, zwanzig Wetten in Folge verlieren — das ist statistisch normal und führt trotzdem dazu, dass fast alle Wetter vorher aufgeben. Drittens: Scharfe Anbieter limitieren oder schließen profitable Kunden. Wer über Monate positiv bleibt, wird identifiziert und eingeschränkt. Das ist für die Branche üblich und rechtlich in den AGB verankert.

Was heißt das praktisch? Value-Betting bei WM-Wetten funktioniert, wenn du drei Dinge zusammenbringst. Erstens: eine Nische, in der du mehr weißt als der Markt — etwa bestimmte Außenseiter-Mannschaften, die du intensiver beobachtest als die Masse. Zweitens: eine Quoten-Vergleichsroutine, die dir den besten verfügbaren Preis sichert. Drittens: eine emotionslose Bankroll-Disziplin, die einzelne Verluste aushält. Wer eines dieser drei Dinge nicht mitbringt, kann gute Quoten kaufen, wird aber keinen langfristigen Vorteil herausholen.

Eine Zahl, die ich gerne weitergebe, weil sie die Dimension richtig rahmt: Wer mit einem echten Value-Vorteil von 3 Prozent pro Wette arbeitet und 1000 Wetten im Jahr platziert — ein Arbeitstag pro Tag, sieben Tage die Woche — rechnet statistisch mit einer Rendite von 3 Prozent auf den Gesamtumsatz. Bei 50 Euro Durchschnittseinsatz wären das 1500 Euro Jahresgewinn. Klingt nach wenig Aufwand für viel Arbeit — und genau das ist der ehrliche Reality-Check. Value-Betting ist kein Weg zum schnellen Geld. Es ist harte, systematische Arbeit mit schmalen Margen.

Deshalb empfehle ich den meisten Wettern, die Unterscheidung klar zu treffen: Unterhaltungs-Wetten sind eine Konsum-Ausgabe, wie Kino oder Restaurant, und dürfen die eigene Marge kosten. Value-Wetten sind eine Anlage-Entscheidung, die nur Sinn ergibt, wenn du dokumentiert einen Vorteil hast. Beide nebeneinander zu betreiben ist möglich, aber sie dürfen nicht in dieselbe Bankroll fallen. Wer das nicht trennt, konsumiert sein Value-Budget und denkt am Jahresende, dass Value-Betting nicht funktioniert — obwohl nur die Disziplin nicht stimmte.

Was dir von dieser Rechnung bleibt

Auszahlungsquote und Marge sind keine akademischen Konzepte. Sie sind die konkreten Hebel, mit denen du deine Wettrendite beeinflusst, ohne deine Vorhersagequalität zu verändern. Ein Wetter, der systematisch Märkte mit 96 Prozent Auszahlung spielt statt 93 Prozent, startet jedes Jahr mit drei Prozentpunkten Vorsprung — und drei Prozentpunkte sind in dieser Branche der Unterschied zwischen „leicht verloren“ und „knapp gewonnen“.

Die WM 2026 ist ein guter Anlass, sich diese Disziplin anzutrainieren. Lange Vorbereitungszeit, viele Märkte, stabile Quotenlandschaft in den nächsten Wochen — alles Zutaten, um das Rechnen zu üben, bevor es ernst wird. Wer den ersten Monat nutzt, um für fünf bis sieben Märkte die Marge selbst zu bestimmen und Anbieter nebeneinander zu legen, hat bis zum Anpfiff ein Gefühl dafür entwickelt, wie der Markt tickt. Das ist mehr wert als jede Tipp-Vorhersage, die du irgendwo liest.

Ein abschließender Gedanke zur Rolle der Auszahlungsquote in deiner gesamten Wett-Strategie: Sie ist die Basis, nicht das Ziel. Die beste Auszahlungsquote der Welt bringt dir nichts, wenn du schlecht einschätzt, welches Team gewinnt. Aber die beste Einschätzung der Welt bringt dir nichts, wenn du sie zu 93 Prozent Payout spielst, wo 96 Prozent möglich wären. Beides zusammen — saubere Vorhersage und saubere Ausführung — ist der schmale Pfad zur langfristigen Rentabilität. Für die meisten Wetter reicht es, die zweite Hälfte dieser Gleichung zu verstehen und umzusetzen. Die erste Hälfte ist ein lebenslanges Projekt.

Welcher Anbieter hat die höchste Auszahlungsquote?

Scharfe Anbieter mit niedriger Marge erreichen bei Top-Fußballspielen über 97 Prozent. Retail-Bookies bewegen sich typischerweise zwischen 92 und 95 Prozent. Die genauen Werte variieren je nach Markt, Zeitpunkt und Spiel — Line Shopping vor der Wette ist der einzige Weg, den besten Preis zu sichern.

Wie berechne ich die Marge selbst?

Bei einem 3-Weg-Markt addierst du die Kehrwerte aller drei Quoten. Beispiel: Quote 2,0 + 3,5 + 3,8 ergibt 1/2,0 plus 1/3,5 plus 1/3,8 = 0,5 + 0,286 + 0,263 = 1,049. Davon 1 abziehen: 4,9 Prozent Marge. Die Auszahlungsquote wäre entsprechend 95,3 Prozent.

Warum sind Langzeitwetten teurer als Spielquoten?

Je größer der Zeithorizont, desto mehr Unsicherheit muss der Buchmacher einpreisen. Bei WM-Sieger-Wetten liegt die Marge bei 8 bis 12 Prozent, bei Live-Einzelspielen oft nur bei 3 bis 6. Das macht Langzeitwetten strukturell unrentabler, auch wenn sie narrativ reizvoll sind.

Lohnt sich der Payout-Unterschied für Gelegenheitswetter?

Bei geringen Einsätzen fällt die Differenz zwischen 94 und 97 Prozent Auszahlung kaum ins Gewicht — hier kann ein Neukunden-Bonus sogar wertvoller sein. Wer wöchentlich 200 Euro oder mehr umsetzt, spürt den Payout-Unterschied innerhalb einer Saison deutlich im Ergebnis.

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